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Malteser Bildungszentrum HRS

Delegation aus Uganda im Bildungszentrum HRS

sowie an weiteren Stationen im Lahn-Dill-Kreis und Deutschland.

14.04.2018
Delegation aus Uganda
Delegation aus Uganda

Um das von Malteser International geleitete Projekt "Emergency Medical Service in Uganda" weiter voran zu bringen, reiste vom 10.-14. April eine Delegation aus vier ugandischen Ärzten unter anderem nach Wetzlar zum Malteser Bildungszentrum der Region Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland (HRS). Die Mitglieder der Delegation waren Ärzte aus dem Gesundheitsministerium, dem Gesundheitsamt, der "Makarere" Universität und der ärztliche Leiter des katholischen Krankenhauses "Lubaga", welches seit langer Zeit Projektpartner von Malteser International ist.

Das Ziel dieser Reise war, das deutsche System Rettungswesen mit all seinen Bereichen kennenzulernen und das ein oder andere für das geplante landesweite Projekt in Uganda aufzunehmen. In Begleitung von Laura Beutler von Malteser International reisten die Besucher vier Tage lang durch Nordrhein-Westfalen und Hessen mit dem Ziel, um einen möglichst intensiven Einblick in die Notfallversorgung in Deutschland zu bekommen.

Am Mittwoch, dem zweiten Tag Ihres Deutschlandbesuchs, reiste die Gruppe nach Wetzlar, um sich dort eine gut funktionierende und modern ausgestattete Malteser-Rettungsdienstschule anzusehen. Claus Kemp, der Leiter des Bildungszentrums HRS, begrüßt die Gruppe herzlich und hielt gemeinsam mit Sebastian Sachs und Alexander Cranshaw vor den Gästen einen Vortrag über die verschiedenen Qualifikationen sowie zu grundsätzlichen Strukturfragen im deutschen Rettungswesen. Das Highlight dieses tages fand im Anschluss unter der Leitung von Dirk Biersbach statt: zwei NotSan-Schüler führten im Rahmen eines Simulationstrainings ein realistisches Fallbeispiel - die Versorgung eines Patienten mit einem Herzinfarkt - vor. Die Ärzte aus Uganda waren dabei sichtlich beeindruckt von solch strukturierter Arbeit am Patienten im Rahmen der Notfallsanitäter-Ausbildung und der Handlungskompetenz der angehenden Notfallsanitäter.

Am darauffolgenden Tag besuchten die Reisenden bereits morgens die Zentrale Leitstelle Lahn- Dill, an der sie vom Kreisbrandinspektor des Lahn-Dill-Kreises, Herrn Rupert Heege, begrüßt wurden und in die Hintergründe einer Leitstelle eingewiesen werden. Interessiert schauten die vier Ärzte nach der hochentwickelten Technik, die hinter einer solchen Einrichtung zur Alarmierung und Lenkung des Rettungsdienstes steckt. Im Anschluss an diesen Besuch, macht sich die Gruppe auf den Weg in das 645 Betten umfassende Klinikum Wetzlar. Dr. Norbert Köneke, Medizinischer Direktor, und Georg Pfaff, Bereichsleitung Ambulanz und Notaufnahme, führten ihre ugandischen Kollegen durch die Notaufnahme und den Schockraum, um einen Einblick in die Abläufe zu geben. Mit großem Interesse verfolgten die Reisenden alle Erklärungen und hatten viele Fragen an die Experten in Wetzlar. Als letzter Programmpunkt erfolgte an diesem Tag ein Besuch des Hubschraubers "Christoph Gießen" in Gießen. Nach einiger Zeit des Wartens und einem interessanten Vortrag über das System der Luftrettung, kam schließlich der Hubschrauber von einem Einsatz wieder und die Interessierten können "Christoph Gießen" von Nahem ansehen und mit der Besatzung sprechen. Bereits wenig später kam der nächste Alarm und der Notarzt, Notfallsanitäter und Pilot mussten weiter zu einem Verbrennungsunfall.

Am Freitag, dem letzten Tag in Wetzlar, folgte das abschließende Highlight für die vier Ärzte, da sie heute nicht nur der Theorie zuhören, sondern einmal selbst mitarbeiten durften: Dr. Kalanzi, Dr. Otim, Dr. Baptiste und Dr. Ssekitooleko hospitierten acht Stunden auf den Rettungswachen in Münzenberg-Gambach und Wetzlar-Naunheim sowie der Notarztwache Braunfels, um auf drei Rettungswagen und einem Notarzteinsatzfahrzeug einen Praxistag zu verbringen. Insgesamt bewältigen die Mediziner neun Einsätze voller Motivation während dieser Zeit, die Zeit zwischen den Einsätzen wurde ausgiebig genutzt, um im Gespräch mit den diensthabenden Kolleginnen und Kollegen sich sämtliche Ausrüstungsgegenstände erklären zu lassen und viele Fragen zu stellen.

Noch am Abend desselben Tages kehrte die Gruppe nach Bonn zurück, um bei einem gemeinsamen Abendessen mit den Gastgebern des Malteser Bildungszentrums HRS, von Malteser International, den Maltesern in der Diözese Köln sowie aus der Malteser-Zentrale über die in den letzten Tagen gewonnen Eindrücke nochmals intensiv diskutieren zu können.

Am Samstagmorgen finalisierten die vier Ärzte gemeinsam mit Laura Beutler von Malteser International die gewonnenen Eindrücke und Ideen, übertrugen sie auf die Situation in Uganda und strukturierten die Planungen für den Aufbau des Rettungswesens in ihrem Heimatland. In Uganda besteht bislang noch keine Struktur im Bereich Rettungswesen, weshalb noch in diesem Jahr begonnen werden soll, eine Leitstelle aufzubauen, Notaufnahmen und Rettungswagen nach festgelegten und auf das Land angepassten WHO- Standards auszustatten sowie Interessierte im Bereich Notfallversorgung und im Rahmen eines zweijährigen Aufbauprogramms zum "Notfallpfleger" auszubilden. Es sollen in den nächsten Jahren Strukturen geschaffen werden, um bestehende Institutionen miteinander zu verbinden und in den Aufbau zu integrieren. Als Abschluss der Exposure Visit fand noch ein Besuch des "Seliger Gerhard Malteser Krankenhaus" in Bonn/Rhein- Sieg statt. Dr. Flasbeck, Chefarzt Zentraler Notaufnahme, erklärte sich bereit, eine Präsentation über einfache Strukturierungsmöglichkeiten in einer Notaufnahme zu halten. Die Einheimischen aus Uganda waren begeistert von seinem Konzept, vor allem nachdem sie die angewandte Struktur in der neuen Notaufnahme vor Ort selbst besichtigen und sich von deren Leistungsfähigkeit überzeugen konnten.

Das Malteser Bildungszentrum HRS unterstützt Malteser International bei diesem Projekt mit seiner Expertise in der rettungsdienstlichen Ausbildung, sowohl von Deutschland aus als auch mit der Begleitung vor Ort. Als Auftakt hierzu war bereits im vergangenen November Claus Kemp, der Leiter des Bildungszentrums, in Ugandas Hauptstadt Kampala, um dort gemeinsam mit Alfred Kinzelbach, dem langjährigen Leiter des Regionalbüros von Malteser International, Gespräche zu führen und den Status Quo zu erheben. Perspektivisch streben Malteser International und das Malteser Bildungszentrum HRS eine langfristige Zusammenarbeit an, um das Rettungswesen in Uganda auszubauen. 

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